Ein Schlosspark für Mainz: gut fürs Klima, fürs Gemüt und fürs Schloss


Andreas Behringer

Antrag im Ortsbeirat am 16. Juni 2021

Andreas Behringer

Hintergrund

Wir freuen uns auf eine Landesgartenschau 2026 in Mainz. Schon das Bewerbungsverfahren hat viele kreative Ideen für unsere Stadt hervorgebracht. Im Rahmen einer Bürgerinformation wurde am 19. Mai 2021 das „vorläufige Ergebnis der Machbarkeitsstudie“ vorgestellt. Hierbei wurde mitgeteilt, dass der Schlosspark nicht als Projekt in die Bewerbung eingehen könne, da eine Realisierung bis 2026 nicht sicherzustellen sei.

Zugleich ist erfreulich, dass die Idee eines Schlossparks grundsätzlich und einhellig positiv bewertet wurde. Dies wurde insbesondere in den Beiträgen der Dezernentin für Bauen, Denkmalpflege und Kultur, Frau Grosse, des Amtsleiters für Grün und Umwelt, Herrn Nehrbaß, sowie des Planungsbüros, HNW Landschaftsarchitekten, deutlich. Für die Realisierung wurde das Jahr 2030 genannt.

Nun ist der Zeitpunkt, mit den Planungen für den Schlosspark zu starten. Wir halten es für geboten, dass der Ortsbeirat Altstadt als erstes politisches Gremium ein klares Bekenntnis hierfür ausspricht und die Stadtverwaltung zu einer ambitionierten Umsetzung ermutigt. Ein Schlosspark bedeutet für uns weit mehr als die Aufhübschung der bestehenden tristen Flächen am Ernst-Ludwig-Platz:

Beschluss

  1. Mainz soll wieder einen Schlosspark erhalten. Dieser soll als Park für die Bürgerschaft und die Gäste der Stadt entstehen – modern und geschichtsbewusst zugleich. Er soll das Areal zwischen Schloss, Landtag/Staatskanzlei und Peterskirche umfassen und aufwerten. Hierfür ist ein städtebauliches Gesamtkonzept zu erstellen.

  2. Mit dem Schlosspark sollen vor allem drei Ziele erreicht werden:

    – Die Altstadt gewinnt eine grüne Lunge: wichtig gerade in Zeiten des Klimawandels.

    – Erholungs- und Spielflächen sollen entstehen („Bespielbare Altstadt“).

    – Die historischen Bauwerke sollen attraktiv in Szene gesetzt werden.

  3. Die Große Bleiche soll – zumindest in diesem Areal – wieder als Promenade mit Allee gestaltet werden. Sie soll hier auch vom Durchgangsverkehr (außer ÖPNV) befreit werden.

  4. Klimawandel und Verkehrswende verlangen konsequentes Handeln: Die beiden oberirdischen Parkplätze am Schloss und am Landtag sollen daher wegfallen und dem neuen Schlosspark weichen. Die beiden darunterliegenden Tiefgaragen sollen nutzbar bleiben.

  5. Das Werkstattgebäude („Pavillon“) soll nach Auszug des Römisch-Germanischen Zentral-Museums (RGZM) abgerissen und Parkfläche werden. So entsteht wieder ein freier Blick aufs Schloss.

  6. Der Schlosspark soll einen Wasserspielplatz bieten: dieser könnte durch Form und Lage an den historischen Schlossgraben erinnern. – Die Betonflächen auf dem Ernst-Ludwig-Platz sollen entsiegelt werden.

  7. Der Schlossinnenhof und der „dritte Flügel“ des Schlosses sollen attraktiv ins Gesamtkonzept des Schlossparks einbezogen werden. Hier könnte z. B. die gastronomische und kulturelle Nutzung gestärkt werden.

  8. Die Aufwertung des Areals zu einem Schlosspark bietet auch Chancen und evt. Synergieen für Bauvorhaben der Umgebung. Diese sind z. B. bei einer Neuplanung des Allianzhauses zu nutzen.

  9. Die Stadtverwaltung wird gebeten, in einem Sachstandsbericht darzustellen, welche Planungsschritte sie als nächstes vorsieht, um einen Schlosspark in neun Jahren zu realisieren sowie wie und wann Bürgerschaft, Fachleute und Gremien eingebunden werden sollen.

Begründung

Gut fürs Klima: Mainz gehört zu den am dichtesten bebauten Städten Deutschlands, was historische Gründe hat. Die Mainzer Altstadt hat, da besonders beliebt und belebt, eine sehr hohe Bevölkerungsdichte, viele Arbeitsplätze und ein starkes Verkehrsaufkommen. Viel Versiegelung, wenig Grünflächen, die Lage im Zentrum und die Tallage sind äußerst ungünstige Faktoren fürs Mikroklima. Die Antwort der Innenstädte im Klimawandel heißt Entsiegelung und Begrünung: mehr Bäume sorgen für frische und gesunde Luft.

Gut fürs Gemüt: Der Schlosspark ist die einmalige Chance, der Altstadt mehr Raum zu schenken für Naherholung, Spiel und Sport.

Gut fürs Schloss: Das Mainzer Schloss ist nicht nur baugeschichtlich bedeutend. Es war zudem die Residenz des Mainzer Erzbischofs, des hochrangigsten Reichsfürsten. Dafür ist es vergleichsweise wenig bekannt. Das Schloss ist derzeit von drei Seiten zugebaut. Durch den Schlosspark gewinnen wir einen freien Blick aufs Schloss und können es wieder in Szene setzen.

Zitate

„Schlossgarten: Wir befürworten eine Umgestaltung des Areals zwischen Schloss, St. Peter und Landtag. Versiegelte Flächen sind durch Grün zu ersetzen. Neben dem Ziel, das Schloss durch einen Garten gebührend in Szene zu setzen sollen auch die Spielmöglichkeiten ausgeweitet werden.“ -- Ortsbeirat Altstadt, 7. November 2018, Antrag 1773/2018 (SPD)

„Die Altstadt-SPD setzt sich dafür ein, dass unser Schloss wieder mit einem Schlossgarten komplettiert wird. Er soll das Schloss angemessen in Szene setzen. Zudem benötigt die Altstadt endlich einen Park zur Naherholung, als Spielfläche und für das Stadtklima.“ -- Altstadtprogramm 2019-2024 der SPD, altstadtprogramm.de

„Der Schlosspark, als moderner Bürger*innenpark im Regierungsviertel, soll als Grünfläche mit hoher Aufenthaltsqualität entwickelt werden. Der frei werdende Pavillon am Ernst-Ludwig-Platz soll ersatzlos wegfallen, um zusätzlichen Freiraum zu gewinnen. Eine größtmögliche Entsiegelung der Flächen in diesem Bereich soll umgesetzt werden.“ -- Koalitionsvertrag 2020-2024 der Mainzer Ampel

„Grünflächen im Siedlungsbereich und insbesondere im Innenstadtbereich werden bis 2030 im Einklang mit der Biodiversitätsstrategie der Stadt Mainz jährlich um 10% erweitert (auf der Basis von 2020). Dies geschieht durch den Ausbau bestehender und das Errichten neuer, artenreicher Grünflächen. Dabei ist die Entsiegelung von Flächen, bei denen die Versiegelung nicht nutzungstechnisch erforderlich ist, ein wichtiger Teil der Maßnahmen.“ -- Mainz Zero, klimaentscheid-mainz.de

Einstimmig in dieser Form beschlossen

Den Antrag der SPD, das Abstimmungsergebnis und eventuelle Stellungnahmen finden Sie im Bürgerinformationssystem auf mainz.de. (Dort rechts auf das PDF-Dokument drücken.)


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